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Wir
sind drei Künstlerinnen aus Bremen, die nun schon seit acht Jahren an
dem gemeinsamen Ausstellungsprojekt
mit dem Titel „Was sehen Sie, Frau Lot?“ zusammenarbeiten. Betroffene Frauen und Frauenbewegungen trugen das Wissen um demütigende, zerstörerische, sexualisierte Gewalt in politische Öffentlichkeiten und haben immer wieder gesellschaftliche Erklärungsnot und politischen Handlungszwang erzeugt. In vielen europäischen Ländern sind Hilfs- und Beratungsangebote entstanden. Dennoch: 25 Jahre Öffentlichkeit und Schweigen brechen, 25 Jahre Wissen um Ursachen und Ausmaß von sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen = sind 25 Jahre ohne angemessene Konsequenz für die Schlussfolgerung, dass das Ausmaß der Betroffenen auf das Ausmaß der Täter verweist. Wie ist das möglich? Bleibt die Wahrnehmung der sexualisierten Gewalt unerträglich? Akzeptanz, Schutz und Integration der Täter, erstickende Realität, alltäglich. Diese subtile Alltäglichkeit sexualisierter Gewalt in der Gesellschaft erfährt in unseren Werken Transparenz. Mit unseren Installationen und Objekten suchen wir beständig nach einer künstlerischen Form der Sichtbarkeit und Sprache, um eine breite Öffentlichkeit mit neuen Impulsen zum Hinsehen Wahrnehmen und Handeln zu ermutigen und zu sensibilisieren. Denn: Jede/jeder kennt Betroffene, jede/jeder kennt Täter. Wir präsentieren unsere Arbeiten zum Thema „sexuelle Gewalt“ in der Gewissheit, dass wir damit einen Beitrag zu dem Auftrag leisten, den die Kunst unseres Erachtens hat, nämlich gesellschaftspolitisch Stellung zu beziehen. Kunst als persönlich-politischer Ausdruck von unserem Leben mit sexueller Gewalt und Täterschutz. Kunst als eine Form des Widerstands, als eine Form Sprache zu finden und sichtbar zu machen, was zu leicht und zu gerne übersehen und bagatellisiert wird: -
Das
Grauen und gleichzeitig die alltägliche Normalität der Gewalt Unsere
Idee ist auf dem Weg:
geHEIMnis / Renate Bühn Die
aktive Beteiligung von
BesucherInnen und selbst Betroffenen in einzelnen Arbeiten ist dabei von
Bedeutung. Sei es im unerwarteten Erfahren und Wahrnehmen des eigenen darüber
hinweggehen über das Thema - eine künstlerische Arbeit im
Eingangsbereich der Ausstellung oder im Außenraum - oder Arbeiten, die
durch die Beteiligung der BesucherInnen wachsen und bei denen sich
Betroffene Mädchen und Frauen mit ihrer Geschichte beteiligen und
sichtbar machen können. In dem beständigen Auflösen des Schweigens, der Veränderung der Isolierung der Betroffenen, kontinuierlicher präventiver Angebote für jedes Mädchen und jeden Jungen liegen die Veränderungspotentiale dem Kreislauf von Gewalt ein Ende zu setzen. Unsere Ausstellung ist ein Beitrag dazu. Die öffentliche Resonanz und die sehr persönlichen Rückmeldungen zeigen uns, dass wir viele Betroffene, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen - die vielleicht zum ersten Mal über selbst erlebte sexuelle Gewalt sprechen - ermutigen, stärken und sensibilisieren. Tenor vieler Äußerungen von Besucher/innen ist die Aussage, die Alltäglichkeit von sexualisierter Gewalt in ihrer großen Bandbreite nicht mehr verdrängen zu können und sich ihr stellen zu wollen. Unsere Idee ist auf dem Weg: Auf so vielen Wegen, wie sich Menschen erreichen und ermutigen lassen, sich fürs Hinsehen und Handeln zu entscheiden. Dort,
wo Sprache ihre Grenzen hat, vermittelt eine künstlerische Arbeit eine
ganz andere Deutlichkeit und Präsenz, die Wegsehen unmöglich macht,
ermutigt das Thema dort zu reflektieren, wo es hingehört: nämlich in
die unausweichliche Auseinandersetzung mit uns selbst und unserem
Handeln. Renate
Bühn, Maria Mathieu, Heike Pich
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