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Das Alte Testament,
1.Mose 19,30 ff., erzählt die Geschichte von Lot, seiner Frau und den
Töchtern wie folgt:
Und die Engel kamen am Abend nach Sodom, als Lot gerade im Tore von
Sodom sass. Sobald er sie sah, stand er auf, verneigte sich mit dem
Angesicht zur Erde und sprach: Ach, ihr Herren, kehrt doch im Hause
eures Knechtes ein und bleibt über Nacht. Sie aber sprachen: Nein, wir
wollen da auf dem Platze über nacht bleiben. Da er aber sehr in sie
drang, kehrten sie bei ihm ein. (...)
Doch ehe sie sich schlafen legten, hatten schon die Männer der Stadt
Sodom, jung und alt, das Haus umzingelt. Und sie riefen Lot und sprachen
zu ihm: Wo sind die Männer? Bringe sie uns heraus, dass wir ihnen
beiwohnen.
Da trat Lot zu ihnen hinaus und schloss hinter sich zu und sprach: Ach,
liebe Brüder, tut doch nichts Schlechtes! Seht, ich habe zwei
Töchter, die noch nichts vom Manne wissen, die will ich euch
herausgeben; macht mit ihnen, was euch gefällt. Nur diesen Männern tut
nichts, denn sie sind nun einmal meine Gäste. (...)
Dann sprachen die Männer zu Lot: Hast du noch jemand hier? Wer in der
Stadt dir angehört, die führe hinweg aus diesem Orte. Denn wir werden
diese Stadt verderben.
Als nun die Morgenröte heraufkam, trieben die Engel Lot zur Eile an und
sprachen: Auf, nimm dein Weib und deine beiden Töchter, dass du nicht
weggerafft werdest durch die Schuld dieser Stadt. Und als sie dieselben
hinausgeführt hatten, sprach der Engel: Rette dich! Es gilt dein Leben!
Sieh nicht hinter dich und bleib nirgends stehen im ganzen Umkreis! Ins
Gebirge rette dich, dass du nicht hinweggerafft werdest!
Aber Lot sprach zu ihm: Ach nein, Herr! Du hast mir große
Barmherzigkeit erwiesen. Aber ins Gebirge kann ich mich nicht retten;
es könnte das Verderben mich ereilen, dass ich sterben müsste. Siehe,
die Stadt da ist nahe, sodass ich dahin fliehen könnte; und sie ist ja
klein. Ach, lass mich dahin fliehen! So könnte ich am Leben bleiben.
Da sprach er zu ihm: Siehe, ich will dir auch in diesem Stück
willfahren sein und die Stadt nicht zerstören, von der du geredet hast.
Daher heisst die Stadt Zoar (d.i. Kleinheit). Und eben, als die Sonne
über der Erde aufgegangen war, kam Lot nach Zoar.
Der Herr liess Schwefel und Feuer auf Sodom und Gomorrha regnen und
vernichtete so die Städte und den ganzen Umkreis und alle Bewohner der
Städte und was auf dem Lande gewachsen war. Lots Weib aber sah über
seine Schulter zurück und ward zur Salzsäule.
Lot aber zog von Zoar hinauf und liess sich mit seinen beiden
Töchtern im Gebirge nieder; denn er fürchtete sich, in Zoar zu
bleiben. und er wohnte mit seinen Töchtern in einer Höhle.
Da sprach die ältere zur jüngeren: Unser Vater ist alt, und es ist
kein Mann mehr im Lande, der zu uns kommen könnte nach aller Welt
Brauch. Komm wir geben unserem Vater Wein zu trinken und legen uns zu
ihm, dass wir durch unseren Vater unseren Stamm erhalten. Also gaben sie
in jener Nacht ihrem Vater Wein zu trinken. Dann ging die ältere hinein
und legte sich zu ihrem Vater, und er merkte nichts davon, weder wie sie
sich hinlegte, noch wie sie aufstand.
Sie gaben auch die nächste Nacht dem Vater Wein zu trinken. Dann stand
die jüngere auf und legte sich zu ihrem Vater, und er merkte nichts
davon.
So wurden die beiden Töchter Lots schwanger von ihrem Vater.
Und die ältere gebar einen Sohn und nannte ihn Moab ( = vom Vater);
der ist der Stammesvater der Moabiter bis auf den heutigen Tag. Und auch
die jüngere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben Ammi ( = Sohn meines
Verwandten); der ist der Stammvater der Ammoniter bis auf den heutigen
Tag. Zürcher Bibel, 1942
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Nicht
zurück sehen, keine Rücksicht nehmen, keine Rückbindung (Re-ligio)
haben, gilt nach patriarchalen Verständnis als rechte Haltung.
Frau Lot wird zum Symbol dafür, wie den Töchtern zuerst die Mutter
genommen wird, um für den Vater den Weg frei zu machen.
Die Engel haben den Auftrag Gottes, Lot und seine Familie ins Gebirge zu
führen. Lot aber spricht: Ins Gebirge kann ich mich retten; es
könnte das Verderben mich ereilen, dass ich sterben müsste.
Lot will in die Stadt Zoar. Diesen Wunsch gewähren die Engel.
Auf dem Weg nach Zoar blickt Frau Lot über seine Schulter zurück und
erstarrt, denn Gott hatte befohlen, nicht zurück zu blicken.
In Zoiar angekommen, will Lot, allein mit seinen Töchtern, ins Gebirge,
jetzt fürchtet er sich in Zoar zu bleiben,
Der Bibeltext nimmt dazu Stellung:
- 1. Mose 19,30ff: "Lots Töchter waren doch
selbst schuld; sie haben doch die Initiative ergriffen!"
- ... damit wir uns Nachkommen schaffen von unseren
Vätern."
Die wenigen Bibelauslegungen vertreten die Meinung:
- es handelt sich um einen Racheakt der Frauen
- der Text gibt ein anderes kulturelles und
moralisches Verständnis wieder
Dass Töchter ihren Vater betrunken gemacht haben und dass ein alter,
betrunkener Mann zwei Frauen in nur zwei Nächten schwängert, halte ich
mit Shaekspeare für ausgeschlossen (`alcohol provoques the sire but
disturbs the performance´) Elga Sorge.
Otto Rank, Psychoanalytiker, äußerte bereits 1912:
Eine Erzählung wie die in 1.Mose19,30FF dient der Befriedigung und
Rechtfertigung männlicher Sexualvorstellung. Auch aus den wenigen
mythischen Überlieferungen, in denen die Liebesleidenschaft von der
Tochter auszugehen scheint, gewinnt man den Eindruck, dass dies nur eine
Rechtfertigung für die anstößigen Begierden des Vaters darstellt, der
so die Schuld der Verführung auf die Tochter abzuwälzen sucht.
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